TRIPODE
Vernissage: 07.05.2026 um 15.30 Uhr
Laudatio: Kathrin Klug
Öffnungszeiten: Di., Sa., So. von 15 - 18.00 Uhr
und nach Vereinbarung
Raum, Stimmung und Ausdruck
Die Ausstellung vereint drei Künstlerinnen, die auf unterschiedliche Weise Wahrnehmung, Material und Intuition verbinden. Anne Kern fängt in ihren Landschaften Licht, Stille und die Aura verlassener Orte ein. Mai Ferreira erschafft in ihren Collagen geheime Traumwelten voller Poesie und Emotion. Inger Seemann verwandelt Stahlblech durch Falten und Biegen in lebendige Skulpturen, die Fläche und Raum neu definieren. Gemeinsam zeigen ihre Arbeiten, wie individuelle Erfahrung und experimentelles Arbeiten zu Werken führen, die Atmosphäre, Raum und Ausdruck spürbar machen.
Anne Kern
Landschaften zwischen Realität und Stimmung
Anne Kerns Werke bewegen sich im Spannungsfeld zwischen realistischer und kubisch-abstrakter Formsprache. Ihre große Leidenschaft gilt der Landschafts-malerei, die sie in Öl auf Leinwand sowie in Kohle- und Kaltnadelgrafik umsetzt. Inspiriert von der Felslandschaft des Elbsandsteingebirges und stillgelegten Steinbrüchen der Oberlausitz, arbeitet sie meist Pleinair – zunächst mit Fotoapparat und Skizzenbuch, später mit Staffelei und Leinwand.
Ihre Bilder fangen die Stille, das Licht und die besondere Stimmung der Natur ein. Spuren menschlichen Wirkens sind sichtbar, doch die Menschen selbst fehlen – zurück bleibt die Aura verlassener Orte, von alten Steinbrüchen bis zu überwucherten Industriebauten. Die Szenen erinnern an Vergänglichkeit und laden zum Innehalten und bewussten Erleben ein.
Anne Kern übersetzt Wahrnehmung in Ausdruck: Ihre Werke sind keine naturgetreuen Abbildungen, sondern ein Spiel aus Sehen, Fühlen, Struktur und Licht – Momentaufnahmen, die entrückt, still und melancholisch wirken.
Mai Ferreira
Traumwelten in Collage
Für Mai Ferreira ist die Collage ein zentraler Bestandteil ihres künst-lerischen Schaffens. Sie entstand eher zufällig, ist aber geblieben. Durch das Zusammenfügen schein-bar bedeutungsloser Bilder werden Träume, Empfin-dungen und Gedanken sichtbar und formen ein neues Universum voller Bedeutungen.
Inspiriert von Leonora Carrington greift Mai Ferreira auf den Surrea-lismus zurück, um Traumwelten, Stimmungen und Gefühle zu gestalten, die von einem geheimnisvollen Schimmer umhüllt sind.
Ihr kreativer Prozess folgt der Intuition: Ideen können aus Musik, Gedichten, Farben, Gerüchen, Erinnerungen oder Gefühlen entstehen und führen zu Bildern, die wie von selbst zusammen-finden. So entstehen Collagen, die tief aus dem Inneren geboren werden – voller Poesie, Geheimnis und Ausdruck.
Inger Seemann
Stahl und Falten
Inger Seemann arbeitet mit gefalteten Stahlblech-platten und schafft so Skulpturen, die Handwerk, Experiment und Ausdruck vereinen. Anders als bei industriell gefertigten Stahlobjekten ist hier jede Falte das Ergebnis direkter künstlerischer Arbeit – präzise, bewusst und doch offen für Entdeckungen.
Die Technik des Faltens verleiht den Flächen räumliche Dimensionen und erzeugt Leichtigkeit trotz des Materials Stahl. Jede Skulptur eröffnet komplexe räumliche Zusammenhänge: Die gefalteten Platten bilden Räume, die durch geschwungene Stahlstangen weiter dynamisiert werden. Stangen und Falten interagieren, durchstoßen und verbinden sich, sodass die Werke als organische Einheit wirken, die niemals lediglich zweiteilig erscheint.
Inger Seemanns Arbeiten loten die Grenzen der Bildhauerei aus, spielen mit Fläche und Raum und machen das Material selbst zum Thema. Handwerk und künstlerische Idee verschmelzen, und das Ergebnis ist eine deutliche Botschaft: Diese Skulpturen sind von einer Künstlerin geschaffen, erlebbar und spürbar durch die menschliche Hand, die sie geformt hat.
Zwei Worte, die sich widersprechen – und zugleich bedingen.
Gezeigt werden Werke, die teils bereits in der Villa Sponte vertreten waren, teils neu zu diesem Thema entdeckt wurden. Druckgrafik begegnet Fotografie, Zeichnung trifft auf Skulptur, Malerei auf Objekt. Es entsteht kein Nebeneinander, sondern ein Panorama unserer Gegenwart und Geschichte.
Im Zentrum stehen „Dream City“ von Johann H. Behrends aus Bremen und „Die Kathedrale“ von Pierluigi Slis aus Italien. Die Skulptur „Dream City“ aus Stein und Eisen wirkt archaisch und schwer – doch in ihrem Inneren glimmt Licht. Heimat erscheint hier als fragile Konstruktion, die Verantwortung verlangt. „Die Kathedrale“ hingegen erhebt sich monumental und intensiv. Sie ist Schutzraum und Machtzeichen zugleich – ein Sinnbild für die Ambivalenz von Institution, Geschichte und Zugehörigkeit.
Weitere Arbeiten erweitern den Blick. „Wasche Dir gründlich die Hände“ reflektiert Alltag nach der Pandemie. „Hohlweg“ (1947) und „Kein Name“ verweisen auf die leisen und lauten Narben von Krieg und Flucht und thematisieren existenzielle Fragen von Heimat und Überleben.
Humor und Ironie finden ebenso Raum wie Melancholie und politische Dringlichkeit. Der „Geschichtenerzähler“ erinnert an die Kraft des freien Wortes, das „Portrait einer Frauenrechtlerin aus Syrien“ verleiht Widerstand ein Gesicht. „Stadion II“ zeigt Gemeinschaft als geteilte Leidenschaft, „Plastic Love“ verbindet Schönheit mit ökologischer Mahnung.
Von Bremen über Cuba bis nach Burkina Faso, Vietnam und Syrien spannt sich ein geografisches und emotionales Geflecht. Heimat erscheint nicht als abgeschlossenes Territorium, sondern als Prozess – als Erinnerung, Sehnsucht und Verantwortung.
LANGE NACHT DER MUSEEN
| 30.05.26 | 18.00 - 00.00 Uhr | Ausstellung |
Um 20.00 Uhr und um 21.00 Uhr gibt es ein Jazzkonzert mit den Gewinnern der dänischen „Jazzkonkurrencen“ mit einem energiegeladenen Live-Set.
Nominiert: ELJO, Purpur, Venya.
Ein Abend voller Kunst, Musik und interkultureller Inspiration.